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Jetzt ganz einfach: 5 Kilo in einer Woche abnehmen!

„So verlierst Du 5 Kilo Fett pro Woche – garantiert!“

Du kennst diese Werbesprüche? Oft werden sie begleitet von einem unvorteilhaften Foto einer schlecht frisierten, übergewichtigen, unglücklichen Frau, die auf dem zweiten Foto – perfekt gestylt, geschminkt und fotografiert – sagenhafte 20 Kilo leichter geworden ist. Und dies in nur 4 Wochen.

Die nachfolgenden drei „kurzen“ Geschichten zeigen Dir, wie es (theoretisch) möglich ist, 5 Kilo pro Woche abzunehmen. Oder auch nicht.

Vorab kurz ein paar Infos zum Fettabbau. Damit alles leicht nachvollziehbar bleibt, sind die folgenden Annahmen stark vereinfacht.

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  • 1 Gramm Fett = 9 kcal
  • 1 Kilo pures Fett = 9.000 kcal
  • 1 Kilo Fettgewebe* = 7.000 kcal
  • 5 Kilo Fettgewebe* = 35.000 kcal

* inklusive Bindegewebe, Blutgefäße, Wasser, etc. …
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Damit Dein Körper 5 Kilo Fettgewebe pro Woche abbaut, musst Du ca. 35.000 kcal zusätzlich pro Woche verbrauchen. Das entspricht einem zusätzlichen Verbrauch von 5.000 Kalorien pro Wochentag. Diese Energiemenge entspricht in etwa 5 Pizzen. Oder in etwa 10 Stunden joggen

1. Versuch: Nichts essen – jede Menge Sport

Eva war schon als Kind mollig. Im Laufe ihrer 26 Lebensjahre hat sie immer wieder versucht durch Diäten – ohne Sport – abzunehmen, aber dank Jojo-Effekt ist ihr Gewicht nur weiter gestiegen. Mittlerweile wiegt sie 95 kg bei einer Größe von 1,73 m. Dann kam die Einladung zum 10-jährigen Klassentreffen, die den Ausschlag gab: Eva möchte endlich erfolgreich abnehmen.

© Jeanette Dietl - Fotolia.com

Bis zum Klassentreffen in 6 Wochen müssen die Kilos runter. Wie würden sich die damaligen Mitschülerinnen wundern, wenn aus dem Moppelchen von damals eine schöne, schlanke Frau geworden ist? Eva weiß, dass ihr nur wenig Zeit bleibt, und fasst einen radikalen Plan:
5 Kilo müssen pro Woche verschwinden.

Evas Daten:
Alter: 26 Jahre
Größe: 1,73
Gewicht: 95 kg
BMI: 31,7
Ziel: -30 kg in 6 Wochen
Kalorienbedarf: 2.500 kcal**
Beruf: kaufmännische Angestellte
Sport bisher: nichts

**der angenommene Kalorienbedarf ist aufgrund des hohen Fettanteils trotz des hohen Gewichts relativ niedrig, da Fettgewebe – im Gegensatz zu Muskelgewebe – kaum Energie verbraucht.

Evas erster Tag:

Der Morgen beginnt für Eva etwas ungewöhnlich: kein Cappuccino, keine Brötchen. Nur ein schwarzer Kaffee ohne Zucker und ein Glas Wasser. Doch Eva macht sich nichts draus, denn sie hat sich extra zwei Wochen freigenommen, um sich ganz ihrem Abnehm-Projekt zu widmen. Hoch motiviert zieht sie sich ihre neuen Sportschuhe an und legt mit ihrem Programm los.

Als Erstes steht intensives Walken auf dem Programm. Vom Joggen hat ihr der Schuhverkäufer abgeraten, da ihr hohes Gewicht die Gelenke schädigen würde. Zwei Stunden lang kämpft sich Eva tapfer durch den Stadtwald und gibt dabei alles. Zu Essen gibt es nichts, nur Wasser. Den Hunger kann sie jedoch gut unterdrücken, denn die ungewohnte Bewegung an der frischen Luft sorgt dafür, dass ihr Körper Glückhormone ausschüttet und Eva sich, trotz beginnendem Muskelkater, so gut fühlt wie schon lange nicht mehr. Im Anschluss an ihre morgendliche Sporteinheit gibt es wieder Kaffee für den Kreislauf.

© Marco Mayer - Fotolia.com

Danach geht es ab ins öffentliche Schwimmbad. Obwohl sich Eva im Badeanzug unwohl fühlt, gibt sie auch im Wasser wieder alles. Zwei Stunden lang schwimmt sie Bahn um Bahn. Nur unterbrochen von kurzen Pausen, wenn gerade so gar nichts mehr geht. Die Minuten ziehen sich wie Gummi, und als sie ihr selbst gesetztes Ziel endlich erreicht hat, kommen ihr fast die Tränen: Sie hat es tatsächlich durchgezogen.

Beim Verlassen des Beckens wird ihr kurz schwindelig…

Zu Hause angekommen gönnt sich Eva eine kleine Pause mit viel Wasser und ungesüßtem Tee. Kaum liegt sie auf der Couch fallen ihr auch schon die Augen zu. Erst zwei Stunden später wird sie wach und ärgert sich sofort über die vertane Zeit. Jetzt muss das Training auf dem Ergometer die Pause wieder wettmachen. Doch als Eva von der Couch aufstehen will, fällt sie beinahe hin: Ihr ganzer Körper schmerzt und fühlt sich an wie eine schwere, unbewegliche Masse. Nur mit Mühe und unter Schmerzen schafft sie es in die Küche.

© Stefan Balk - Fotolia.com

Eva fühlt sich, als wäre sie von einem Laster überrollt worden und will schon das Handtuch werfen. Da sieht sie an der Kühlschranktür die Einladung zum Klassentreffen. Keine 5 Minuten später sitzt sie schon auf ihrem Heimfahrrad und tritt ordentlich in die Pedale. Die ersten 10 Minuten sind für sie die Hölle, danach beginnen die Schmerztabletten zu wirken. Eva ist jetzt wieder hoch motiviert, gibt richtig Gas und powert 90 Minuten lang so gut sie kann. Danach ist sie völlig fertig.

Beim Absteigen vom Ergometer passiert es dann: Ihre überlasteten Beine gehorchen ihr nicht mehr und Eva stolpert. Ihre untrainierten Muskeln und Gelenke können ihr Gewicht nicht auffangen und sie knickt mit dem linken Knöchel unglücklich um …

Zu ihrem Glück kommt schon eine halbe Stunde später ihr Freund nach Hause, der sie zum Arzt fährt. Der Knöchel ist gebrochen und muss gerichtet und eingegipst werden. Für Eva bedeutet das: 6 Wochen den Knöchel schonen. 6 Wochen kein Sport. In 6 Wochen ist das Klassentreffen. Eva ist wütend, unglücklich und frustriert und beschließt nicht zum Klassentreffen zu gehen. Das Thema Abnehmen ist für sie für alle Zeiten vom Tisch. Bis zum Ende des Jahres wird sie die 100 kg – Marke überschritten haben.

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Der Tag aus Sicht von Evas Körper:

Morgens beim Walken:
„Frische Luft? Bewegung?! Ungewohnt. Aber warum nicht? Aber wo bleibt das Essen? Wieso gibt es denn nichts? Na, dann ran an die Glykogen-Speicher! Leber- und Muskel-Vorräte leeren und her mit den Kohlehydraten. Wie viel sind denn von den 2.000 kcal von gestern Abend noch übrig? 1.700? Wo ist denn der Rest hin? Ach so, Wärmeproduktion, Verdauung, Atmung, Herzschlag. Aber die Reserven müssten trotzdem erst einmal reichen …“

Nach dem Walken: „So langsam könnte nun aber Energie-Nachschub kommen. Ist ja nicht so, dass die Muskeln besonders sparsam gearbeitet hätten …“

Beim Schwimmen:
„Was soll denn das jetzt? Noch mehr Bewegung?? Wo soll ich denn die Energie hernehmen. Mal sehen … Nun ja, dann werden wir ein paar Muskelzellen abbauen müssen. Tut mir leid. Und die ein oder andere Fettzelle leeren. Es geht nicht anders. Sobald es wieder Energie gibt, füllen wir die wieder auf. Versprochen. Das wird schon wieder……“. „Wo bleibt der Nachschub??? Das ist nicht gut. Das ist gar nicht gut. Kein Magnesium mehr. Und Salz fehlt. Das Herz arbeitet auch schon im roten Bereich. Gar nicht gut …“

Beim Schlafen:
„Endlich Ruhe. Das wurde aber auch höchste Zeit. Wie groß sind die Schäden? Die Muskeln sind nur leicht beschädigt. Ok. Wasser einlagern und Regeneration starten. In drei oder vier Tagen sind die wieder repariert. Gelenke und Bänder? An der Grenze zur Überlastung, aber noch nichts kaputt. Sehr gut. Dann fehlen uns jetzt nur noch Kohlenhydrate, Fette, Eiweiß und zahlreiche wichtige Mineralien, Vitamine und Spurenelemente. Na, wenn es weiter nichts ist …“

Nach dem Aufstehen:
„Stopp! Keine weitere Anstrengungen mehr. Wir sind noch nicht fertig! Sofort Schmerzsignale senden! Das gibt es doch nicht! Was machen die da oben eigentlich?? …. Was heißt hier die Leitungen sind unterbrochen? Wieso kommen die Signale nicht mehr oben an? Das ist doch zum verrückt werden!“

Während des Ergometer-Trainings:
„Jetzt müssen wir noch mehr Muskelzellen abbauen. Hört denn dieser Wahnsinn gar nicht auf? Was wollen die? Sollen wir etwa auch die Herzmuskeln verwerten? Oder die Nervenzellen?“ „Ich weiß, dass die Gelenke das nicht mehr lange mitmachen! Ja, der Blutzuckerspiegel ist auch im Keller. Ist doch auch kein Wunder! Mehr als Warnsignale senden kann ich nicht! Das ist verrückt! Keine Nahrung. Keine Energie. Und ich soll mehr leisten als jemals zuvor! Wie soll das gehen??“

Nach dem Sturz:
„Das war’s! War ja klar, dass irgendetwas kaputt gehen würde. Nur gut, dass der Knöchel die schwächste Stelle war und nicht das Herz. Dann hätten wir jetzt ein Problem …“ „Da der Bewegungswahnsinn nun ein Ende hat, können wir uns um die Schadensbeseitigung kümmern. Als Erstes müssen wir …“ [/box]

Die Bilanz des ersten und letzten Tages:

Kalorienaufnahme: 0 kcal
2 Stunden Walken: 1.000 kcal
2 Stunden Schwimmen: 900 kcal
1,5 Stunden Fahrrad: 600 kcal
Verbrauch ohne Sport: 2.500 kcal
Kalorienbilanz: -5.000 kcal
Körper: Überbeanspruchung der Muskeln, Sehnen und Gelenke, gebrochener Knöchel

Für jemanden, der nie wirklich Sport betrieben hat und so stark übergewichtig ist wie Eva, ist das beschrieben Sportpensum extrem gefährlich. Selbst wenn sie sich nicht den Knöchel gebrochen hätte, wäre es unwahrscheinlich, dass sie dieses Pensum einen weiteren Tag durchhalten würde.

In keinem Fall ist es möglich, 6 Wochen lang ohne Essen und mit einem solch hohen Sportpensum durchzuhalten.

Zudem würdest Du Deine Gesundheit aufs Spiel setzen, wenn Du es versuchen würdest: Bei einem so extremen Kaloriendefizit sind Kreislaufzusammenbruch und Herzstillstand sehr leicht möglich.

Wie sieht es mit dem kurzfristigen Erfolg aus?

Theoretisch hat Eva an diesem einen Tag 710 Gramm Fettgewebe abgebaut. Theoretisch. Aufgrund der hohen Anstrengung liegt der tatsächliche Fettabbau jedoch weit darunter. In erster Linie hat Eva ihre Glykogenspeicher geleert und anschließend Muskeln verloren. Denn: je größer die Anstrengung, desto niedriger ist der relative Anteil Energie, der aus der Fettverbrennung gewonnen wird.

2. Versuch: ein bisschen Essen – noch mehr Sport

Thorsten ist eigentlich ein zufriedener Mensch. Er ist glücklich verheiratet, hat einen fünfjährigen, fußballbegeisterten Sohn und arbeitet in seinem Wunschberuf als Industriemechaniker. Früher hat er viel Sport gemacht, Kickboxen, Rennrad fahren, eine Zeit lang war er auch im Fitnessstudio. Irgendwie ist das alles in den letzten Jahren eingeschlafen. Gewogen hat er sich schon lange nicht mehr.

© skala - Fotolia.com

An einem lauen Sommerabend trifft er seinen alten Freund Martin wieder – und staunt nicht schlecht. Martin sieht gut aus. Gesund. Und extrem sportlich. Er hat sich kaum verändert. Während die beiden ihr Weizenbier genießen, schwärmen sie von den alten Zeiten, in denen sie gemeinsam Sport gemacht haben.

Noch lange, nachdem sich die beiden Freunde verabschiedet haben, grübelt Thorsten über seine neuen Erkenntnisse nach. Er hat sich ganz schön gehen lassen. Und ist dick geworden. 105 kg zeigte die Waage an. Nach seiner Einschätzung sind das immerhin 20 kg zu viel.

Doch das Schlimmste für Thorsten ist, dass seine Frau es ebenso sieht. Dabei hat sie nie etwas gesagt. Nach diesem Abend mit Martin steht eins fest: Es muss sich etwas ändern. Für den nächsten Monat haben sich die beiden zum Rennradfahren verabredet. Bis dahin möchte Thorsten wieder fit werden. Er hat immerhin noch 30 Tage Zeit. Das sollte zu schaffen sein.

Thorstens Daten:
Alter: 32 Jahre
Größe: 1,85
Gewicht: 105 kg
BMI: 30,7
Ziel: -20 kg in 4 Wochen
Kalorienbedarf: 3.200 kcal**
Beruf: Industriemechaniker
Sport bisher: Kickboxen, Rennrad fahren, Krafttraining (6 Jahre her) ** der Kalorienbedarf berücksichtigt bereits die berufliche Tätigkeit.

Thorstens erster Tag:

Da Thorsten ein eher pragmatischer Mensch ist, möchte er es sich möglichst einfach machen: Er wird von nun an nur noch morgens und abends essen und alkoholische Getränke und die allabendlichen Knabbereien (Chips, Erdnüsse, etc. …) weglassen. Zusätzlich gibt es jeden Tag Sport.

© ExQuisine - Fotolia.com

Der erste Tag beginnt daher auch noch früher als sonst: Schon um sechs quält sich Thorsten aus dem Bett, um für den 12 km langen Weg zur Arbeit das alte Rennrad zu nutzen. Ziemlich abgekämpft aber mächtig stolz stürzt er sich nach einer 45minütigen Fahrt in die Arbeit. Als er mittags mit seinen Kollegen in der Kantine sitzt – es gibt Schnitzel mit Pommes – und nur ein Wasser trinkt, kommen ihm leise Zweifel. Doch in diesem Moment sorgt die SMS seiner Frau dafür, dass er stark bleibt: „Du schaffst das!“

Nach der Arbeit schwingt er sich auf sein leicht knarzendes Rennrad und fährt direkt durch zum Fitnessstudio. Hier hat er schon vor acht Jahren einige Zeit lang trainiert. Mit dem Besitzer ist er immer in gutem Kontakt geblieben. Nach einer persönlichen Einweisung durch den Chef beginnt Thorsten hoch motiviert sein erstens Krafttraining nach sechs Jahren Pause.

Natürlich möchte er sich neben all den jungen Kerlen nicht blamieren und packt ordentlich Gewichte auf die Hanteln. Obwohl er nicht viel gegessen hat, klappt es erstaunlich gut, und er freut sich schon auf Martins Gesicht, wenn sich die beiden in vier Wochen wieder sehen.

Nach einem zweistündigen Training mit Gewichten – bei einigen Übungen musste er dann doch etwas längere Pausen machen – steigt er noch aufs Laufband, um zusätzliche Kalorien zu verbrennen. Laufen ist eigentlich nicht sein Ding. Aber da ihm vom ungewohnten Fahrradfahren doch ein wenig der Hintern wehtut, nutzt er die Alternative jetzt ganz gerne.

Nach insgesamt drei Stunden Training fährt Thorsten um 21:30 Uhr nach Hause.

Er ist ziemlich geschafft und hungrig. Zu Hause warten eine doch etwas besorgte Ehefrau und ein bereits schlafender Sohn auf ihn. Abendessen, heiße Dusche und ab ins Bett. Thorsten ist todmüde, aber mit sich selbst zufrieden. Es ist 23 Uhr.

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Der erste Tag aus der Sicht von Thorstens Körper:

Morgens:
„Normalerweise geht es doch erst eine Stunde später los? Ah, Frühstück! Oh. Der übliche Kram: Weißmehlbrötchen, Margarine, Marmelade, Kaffee. Na wenigstens 500 kcal Energie. Ein bisschen Eiweiß wäre auch mal ganz nett. Oder so ein paar Vitamine und Mineralien. Aber bald gibt es ja Mittagessen.“

Auf dem Weg zur Arbeit:
„Was ist das? Frische Luft? Bewegung? Toll! So sollte jeder Morgen starten. Los, Stoffwechsel ankurbeln, Sauerstoff in die Körperzellen transportieren. Und bitte auch die Muskeln ordentlich durchbluten, die müssen endlich mal wieder etwas leisten! Ja, auch das Herz kann mal ein wenig arbeiten. Schadet dem auch nicht.“

Auf der Arbeit:
„Ah, Routine. Jetzt ist alles wieder wie immer. Gut so.“
„So langsam könnte es Mittagessen geben …“
„Mmmhhhh, wie das duftet! Her mit dem Schnitzel! Und bitte auch ein bisschen Gemüse oder einen großen Salat! Durch den Sport gehen unsere Vitamin- und Mineralstoffvorräte zur Neige.“
„Wie da kommt nichts? Das gibt‘s doch gar nicht! Um die Uhrzeit kommt doch immer Nachschub … Was ist denn heute los?“
„Gut, dann müssen eben die Reserven dran glauben: Glykogenspeicher leeren, nicht benötigte Muskelzellen verstoffwechseln, ein bisschen Fett abbauen. Ich hab auch so meine Möglichkeiten …“

Auf dem Weg zum Fitnessstudio:
„Wieder Bewegung an der frischen Luft? Das ist ja schön und gut, aber wo bleibt der Energienachschub? Ein bisschen Magnesium wäre jetzt auch nicht schlecht … die Muskeln haben schon alle Vorräte aufgebraucht.“

Beim Krafttraining:
„Was ist denn jetzt los? Warum muss ich auf einmal so viel leisten? Wo soll ich denn die Energie hernehmen? Für diese kurzen, hohen Belastungen kann ich kein Fett nehmen. Das dauert zu lange. Da muss ich an die Muskeln ran. Was ein Mist! Was soll der Blödsinn?“

Auf dem Nachhauseweg:
„Schon wieder frische Luft und Bewegung … Na, darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.“

Abendessen:
„Endlich Essen! Endlich wieder Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett! Ein guter Anfang. Wo bleiben die Mineralien? Wo bleibt mein Magnesium?“

„War das etwa schon alles???“

Im Schlaf:
„So kann ich nicht arbeiten! Wir haben zu wenig Energie! Wir haben zu wenig Baustoffe! Und uns fehlen zahlreiche Hilfsmittel! So wird das nichts mit dem Reparieren und Aufbauen der Muskeln. Hoffen wir, dass es morgen besser wird …“
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Die Bilanz des ersten Tages:

Kalorienaufnahme: 1.000 kcal
1,75 Stunden Fahrradfahren: 950 kcal
2 Stunden Krafttraining: 1.300 kcal
1 Stunde Joggen: 760 kcal
Verbrauch ohne Sport: 3.200 kcal
Kalorienbilanz: -5.210 kcal
Kosten: 50 € pro Monat fürs Fitnessstudio
Körper: Überbelastung und Unterversorgung

Zweiter Tag:

Thorsten hat nicht gut geschlafen. Mitten in der Nacht ist er aufgewacht und hatte sehr schmerzhafte Wadenkrämpfe. Kam bestimmt vom Laufen auf dem blöden Laufband. Als er um sechs aufsteht, fühlt er sich trotzdem einigermaßen gut, nur etwas schwach. Auf dem Weg zur Arbeit knarzt sein Rennrad bedrohlich. Es fällt ihm heute ungewöhnlich schwer sich zu konzentrieren, und beinahe kommt es zu einem schwerwiegenden Fehler beim Bedienen der Maschinen. Gott sei Dank fällt es seinem Kollegen rechtzeitig auf.

© lassedesignen - Fotolia.com

Thorsten kämpft sich durch den Tag und sehnt sich den Feierabend herbei. Abends zieht er wieder sein Krafttraining durch. Motiviert durch die anspornenden Sprüche seines Trainers versucht er, die Leistung vom Vortag zu halten. Es gelingt ihm zwar nicht ganz, aber er ist zufrieden.

Anstelle des Laufbandes wählt er heute den Crosstrainer. Die Muskelkrämpfe der letzten Nacht will er kein zweites Mal erleben. Auf die Empfehlung seines Trainers will sich Thorsten nun auch Magnesiumtabletten aus der Apotheke besorgen. Gleich morgen früh auf dem Weg zur Arbeit. Zu Hause angekommen will er nur noch duschen, essen und ins Bett. Den besorgten Blick seiner Frau ignoriert er.

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Der zweite Tag aus der Sicht von Thorstens Körper:

„Das kann doch nicht deren Ernst sein??? Also gut: alles auf Sparflamme! Wir müssen Energie sparen, wo es nur geht! Ja, auch die da oben bekommen nicht mehr die volle Ration. Woher denn auch? ….“
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Die Bilanz des zweiten Tages:

Kalorienaufnahme: 1.000 kcal
1,75 Stunden Fahrradfahren: 950 kcal
2 Stunden Krafttraining: 1.100 kcal
1 Stunde Crosstrainer: 725 kcal
Verbrauch ohne Sport: 3.200 kcal
Kalorienbilanz: -4.975 kcal
Körper: extreme Überbelastung und extreme Unterversorgung

Der dritte Tag:

Als Thorsten am dritten Tag aufsteht, fühlt er sich mies. Am Abend zuvor hatte er noch Streit mit seiner Frau. Sie meint, er übertreibt. Unglaublich! Dafür macht er das Ganze doch auch für sie. Das Schlimmste war, dass sie ihm vorgeworfen hat, er würde seinen Sohn vernachlässigen. Nur, weil er ihn jetzt seit zwei Tagen nur morgens kurz gesehen hat. Ohne Einsatz wird das eben nichts! Und vier Wochen sind nun auch keine so lange Zeit …

Auf der Arbeit lässt er seine schlechte Laune an seinem Kollegen aus, der ihm gestern noch aus der Patsche geholfen hatte. Auch wenn es Thorsten im gleichen Moment leidtut, kann er nicht aus seiner Haut. Seine Laune ist auf dem Tiefpunkt.

Kurz vor Feierabend kommt, was kommen muss: Er ist einen Moment nicht bei der Sache und lässt eine Metallstange in die laufende Maschine fallen. Irgendwie hatte seine Hand einfach keine Kraft mehr. Der gesamte Produktionsprozess gerät ins Stocken. Ein Schaden, der in die Zehntausende geht. Eigentlich ein Grund für eine Kündigung. Doch Thorsten hat Glück: Da er sich in den letzten 10 Jahren seiner Tätigkeit nie etwas hat zuschulden kommen lassen, hat sein Fehler keine weiteren Konsequenzen. Solange es bei diesem einen Fehler bleibt.

Völlig zerknirscht macht sich Thorsten auf den Weg zum Studio. Nach Hause möchte er jetzt definitiv nicht. Seine Frau hat über die Freundin seines Kollegen bestimmt schon von seinem Fehler erfahren. So etwas spricht sich immer besonders schnell rum. Und auf ihr „Ich hab‘s dir ja gesagt“ kann er jetzt wirklich verzichten. Eigentlich würde er jetzt gerne mit seinem Sohn Fußball spielen …

© Deklofenak - Fotolia.com

Kurz bevor er am Fitnessstudio ankommt, bricht die Federgabel seines Fahrrads. Er war eigentlich nur den Bordstein runter gefahren …

Thorsten hat genug. Er ruft seine Frau an und lässt sich abholen. Nach einem ausgiebigen Essen und einem versöhnlichen Gespräch geht es ihm endlich wieder gut: Er spielt mit seinem Kleinen Fußball und lädt seinen Kollegen, den er heute Morgen so angeblafft hat, auf ein Bier ein. Seine Frau versorgt ihm derweil mit einem guten Schnitzel und einer großen Portion Salat. Auch das Magnesium hat sie ihm besorgt.

Obwohl er sich am Abend vor lauter Muskelkater kaum noch bewegen kann, geht er mit einem Lächeln ins Bett. Jetzt ist seine Welt wieder in Ordnung. Soll Martin sich doch jemand anderes zum Fahrradfahren suchen. Er hat vom Sport und vom Abnehmen erst einmal die Nase voll.

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Der dritte Tag aus der Sicht von Thorstens Körper:

Am Morgen:
„Wurde ordentlich Wasser in die Muskeln eingelagert? Sehr schön. Und jetzt sendet gefälligst Schmerzsignale ans Gehirn, und zwar deutliche! Irgendwann muss doch mit diesem Wahnsinn Schluss sein. Vielleicht sollten wir anfangen Gehirnmasse zur Energiegewinnung zu nutzen. Die funktioniert anscheinend eh nicht mehr richtig …“
Am Abend:
„Na endlich! Lager auffüllen! Muskeln reparieren. Na los Leute, das kriegen wir schon wieder hin …“
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Die Bilanz des dritten Tages:

Kalorienaufnahme: 3.500 kcal
1,25 Stunden Fahrradfahren: 680 kcal
1 Stunde Fußball spielen: 400 kcal
Verbrauch ohne Sport: 2.900 kcal*
Kalorienbilanz: – 480 kcal
Körper: auf dem Wege der Regeneration

*angenommener, verminderter Verbrauch, da Körper und Gehirn auf „Sparflamme“ laufen. Auch wenn Thorsten früher sportlich war, sind seine Muskeln die Belastung nicht mehr gewöhnt. Zudem war er für sein Rennrad mittlerweile zu schwer, und sein Sportpensum kollidierte sowohl mit seinen familiären „Verpflichtungen“ als auch mit seinem Arbeitspensum. Kurz: Das notwendige Sportpensum bei einer so geringen Kalorienaufnahme ist weder körperlich durchführbar noch mit einem normalen Alltag vereinbar.

Theoretisch hat Thorsten an den ersten beiden Tagen das 5.000 kcal Defizit geschafft. Aber selbst wenn er das selbst gewählte Pensum durchhalten würde, wäre es unmöglich, damit das Ziel eines durchtrainierten, gesunden Körpers zu erreichen. Der Körper würde besonders beim Krafttraining auf die Muskeln zugreifen, da bei hohen Belastungen nur wenig Energie aus Fett gewonnen werden kann. Zudem ist ein Muskelaufbau bei einem solch hohen Kaloriendefizit schlicht weg nicht möglich.

3. Versuch: Normal Essen – Extremsport

Seit vier Jahren ist Mareike nun alleinerziehende Mutter einer bezaubernden Tochter. Auch wenn sie in ihrer Mutterrolle und ihrem Halbtagsjob als Verkäuferin aufgeht, ist sie unzufrieden. Die Schwangerschaft hat Spuren hinterlassen: 15 Kilo sind geblieben und das, obwohl sie noch immer zweimal pro Woche Joggen geht. Vieles davon kommt von ihrer verflixten Lust auf Schokolade. Besonders in der Zeit nach der Trennung von dem Vater ihrer Tochter und den ersten Monate nach der Geburt, konnte sie einfach nicht anders, als ihren Frust und ihren Kummer mit Schokolade zu besänftigen.

© rupbilder - Fotolia.com

Nun fühlt sie sich in ihrem Körper nicht mehr wohl. Sie war eigentlich immer zierlich und schlank. Und sportlich. In der Schule war sie im Sport eine der besten und hatte immer viel Spaß an den Leichtathletik-Stunden. Doch das ist lange her. Wenn sie in den Spiegel schaut, erkennt sie sich kaum wieder. Ihren Entschluss abzunehmen fasste sie an Silvester. Ein Klassiker.

Da sie weiß, dass sie ihre Energie für ihr Kind braucht, möchte sie ihre Ernährung beibehalten. Eigentlich isst sie auch ganz gesund: mageres Fleisch, viel Obst und Gemüse, wenig Salz. Auch den Schokoladenkonsum hat sie mittlerweile im Griff. Ein Riegel pro Tag. Mehr nicht. Schon oft hat sie in diversen Zeitschriften gelesen, dass andere Frauen in kürzester Zeit ihre Kilos wieder losgeworden sind. Also warum nicht auch sie? Los geht’s!

Mareikes Daten:
Alter: 29 Jahre
Größe: 1,62
Gewicht: 75 kg
BMI: 28,6
Ziel: -15 kg – so schnell wie möglich!
Kalorienbedarf: 2.200 kcal*
Beruf: Mutter und Halbtags-Verkäuferin in einem Modegeschäft
Sport bisher: 2x pro Woche 45 min Joggen

*der Kalorienbedarf berücksichtigt den relativ hohen Anteil inaktiver Fettmasse und die berufliche Tätigkeit.

© Christian Schwier - Fotolia.com

Mareikes erster Tag:

Dass es nicht leicht werden wird, Beruf, Tochter, Haushalt und das neue Sportpensum unter einen Hut zu bekommen, war Mareike von Anfang an klar. Daher hat sie sich einen sehr engen Zeitplan geschnürt. Ihr großer Vorteil ist, dass sie mit ihrer Tochter zu ihren Eltern gezogen ist. So kann sie ihre erste Joggingrunde drehen, während die Kleine noch friedlich schläft. Um sechs, noch vor dem Frühstück, geht es los.

Eine Stunde durch den nahe gelegenen Wald. Herrlich! Die Luft ist frisch und rein, der Waldboden federt unter Mareikes Schritten, und die Musik aus dem MP3-Player motiviert zusätzlich. Anschließend schnell Duschen und Frühstück vorbereiten. Um acht muss die Kleine in der Kita sein, und Mareikes Arbeitstag beginnt bereits eine halbe Stunde später.

© Justinb - Fotolia.com

Um halb eins schnell zur Kita und zurück nach Hause. Jetzt gibt es erst einmal Mittagessen. Während Mareikes Tochter ihren Mittagsschlaf hält, kümmert sich Mareike im Eiltempo um den Haushalt: Abwasch, aufräumen, Wäsche waschen, saugen. Nach einer Stunde ist sie fertig und die Kleine wieder wach. Während ihre Tochter ein wenig in ihrem Zimmer spielt, „gönnt“ sich Mareike eine Stunde Gymnastik, um wieder beweglicher zu werden.

Weiter geht es im Eiltempo:

Anziehen und auf zum Spielplatz. Nach exakt einer Stunde – es ist jetzt halb fünf – bringt Mareike ihre Tochter zu den Großeltern. Sie ignoriert deren skeptische Blicke und macht sich auf zum Joggen. Eine Stunde Joggen, gemeinsam mit ihrer besten Freundin. Wenn diese nur nicht so viel quatschen und ein bisschen schneller laufen würde … Aber es muss auch so gehen. Anschließend noch schnell Abendessen machen, die Kleine ins Bett bringen, etwas vorlesen.

Geschafft. Um 20 Uhr macht sich Mareike auf zu ihrer letzten Joggingrunde. Diesmal möchte sie zwei Stunden laufen. Nach 90 Minuten gibt sie auf. Sie kann nicht mehr. Obwohl sie nicht weniger gegessen hat als sonst, ist das Pensum nicht durchzuhalten. Etwas frustriert geht sie nach Hause, duscht und geht ins Bett.

Die Bilanz des ersten Tages:

Kalorienaufnahme: 2.200 kcal
3,5 Stunden Joggen: -1.491 kcal
1 Stunde Gymnastik: -243 kcal
1 Stunde Express-Hausarbeit: -260 kcal
Verbrauch ohne Sport: -2.200 kcal
Kalorienbilanz: -1.994 kcal
Körper: Überlastung der Muskeln, Bänder, Gelenke

Die nächsten Tage:

Nach wenigen Tagen gibt Mareike ihren extremen Abnehmplan auf. Sie hat zwar in dieser Zeit definitiv Fett verloren, aber eben auch Muskelmasse und vor allem ihre gute Laune.

Die dreifache Belastung aus Familie, Arbeit und dem extremen Sportpensum ist auf Dauer für sie nicht zu bewältigen und verursacht körperlichen und mentalen Stress.

Zudem war es Mareike nicht möglich, ein Kaloriendefizit von 5.000 kcal täglich zu erreichen, welches für eine theoretische Gewichtsreduktion von 5 kg pro Woche nötig wäre.

Happy End für Mareike:

Mareike sucht sich eine Laufgruppe, mit der sie dreimal pro Woche entspannt abends laufen kann. Zudem meldet sie sich im Fitnessstudio an, um zweimal pro Woche durch Krafttraining dem Muskelabbau entgegen zu steuern. Das Wochenende verbringt Mareike mit ihrer Tochter, ihren Freunden oder einfach mit einem guten Buch auf der Couch.

Ihr neues Sportpensum erzeugt – bei gleichem Essverhalten – ein Kaloriendefizit von durchschnittlich 300 kcal pro Tag. Nach einem Jahr hat Mareike 12 Kilo Gewicht verloren und ihre Muskeln deutlich gekräftigt. Sie fühlt sich wieder schlank und schön. Jetzt schaut sie wieder gerne in den Spiegel.

Und die Moral der Geschichten:

Auch Dein Körper unterliegt festen physikalischen und biologischen Grenzen. Was sich in Werbeanzeigen unglaublich toll und einfach anhört, ist oftmals rein rechnerisch überhaupt nicht möglich. Sicherlich gibt es Möglichkeiten, den Stoffwechsel anzukurbeln, die Fettverbrennung anzuregen und etwas(!) mehr Kalorien pro Tag zu verbrennen. Doch einen langfristigen und gesunden Erfolg erreichst Du nur, wenn Du es langsam angehst. Und was sind schon ein paar Monate länger mit ein paar Kilos mehr, wenn du dafür danach dauerhaft einen gesunden, schlanken und fitten Körper haben kannst?

Wenn Du übergewichtig bist, gibt es unserer Meinung nach nur einen gesunden Weg: eine vollwertige und ausgewogene Ernährung, ein moderates Kaloriendefizit (20-25 % Deines Gesamtumsatzes) und Sport, der dir dauerhaft Spaß macht. Es ist viel einfacher, als Du vielleicht denkst.

Wichtig:
Geh bitte als Erstes zu Deinem Arzt und lass Dich gründlich durchchecken und beraten, bevor Du mit dem Abnehmen beginnst – Deiner Gesundheit zuliebe.


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